Beitrag & Interview: Maximilian, Foto: Thess Riva
Stell dich doch gerne einmal vor!
Ich bin Victoryaz, eine Produzentin, Künstlerin, Sängerin, Songwriterin und Komponistin aus München. Ich mache schon seit über zehn Jahren Musik und habe vor ein paar Jahren angefangen zu produzieren. Inzwischen produziere ich auch für andere Künstler.
Die Musikindustrie ist aktuell sehr umstritten. KI und die immer noch starke Unterrepräsentation von Frauen. Was hältst du davon?
Gar nichts.
Ich finde es absolut furchtbar, besonders wie schnell sich die KI weiterentwickelt. Anfangs dachte man wohl, es würde noch lange dauern, bis man KI-Songs nicht mehr von normalen oder echten Künstlern unterscheiden kann. Ich glaube, es geht schneller als gedacht, und ich finde das ganz und gar schrecklich. Ich unterstütze nichts, was mit KI zu tun hat. Und natürlich ist die Unterrepräsentation von Frauen seit Beginn meiner Karriere ein Thema. Du musst dir nur mal Interviews mit Rappern anschauen. Finch Asozial redet zum Beispiel von Quoten erfüllen, das finde ich völlig absurd!
Wie sieht dein Prozess beim Songschreiben und Produzieren aus? Was unterscheidet sich dabei?
Wenn ich für mich selbst produziere, habe ich eine bestimmte Stimmung im Kopf und suche dann nach Musik, die diese einfängt. Wenn ich jedoch mit Künstler:innen zusammenarbeite, haben sie vielleicht schon einen Text oder Referenzen, die sie mir schicken, sodass ich ihre Vision verstehe und wir von dort aus weitermachen können. Der Prozess variiert also wirklich. Früher habe ich alles auf der Gitarre geschrieben, dann auf dem Klavier, es ändert sich ständig.
Auf welche Zeile in deinen Songs bist du bis heute besonders stolz?
Ich bin sehr stolz auf eine Zeile aus einem Song, der bald erscheint. Ich habe ihn gerade am Wochenende ins Mastering geschickt. Die Zeile lautet: „Du bist kein schlechter Mensch, sonst würdest du es nicht hinterfragen." Und es gilt auch für dumme Menschen!
Was möchtest du mit deiner Musik und deinen Texten erreichen?
Zunächst einmal ist es für mich ein unglaubliches Ventil. Das mag jetzt etwas egoistisch klingen, aber vor allem ist es meine Therapie. Ich weiß, selbst wenn niemand zuhören würde, würde ich nie aufhören. Das ist der wichtigste Punkt. Was aber wirklich toll ist, ist, wenn man zum Beispiel irgendwo spielt und die Leute anfangen zu weinen. Dann denke ich mir: „Ich mache das nicht nur für mich. Es hilft auch anderen.“ Ich habe ein paar Freunde, bei denen ich immer höre, dass sie das sehr berührend finden, und es ist schön zu wissen, dass so viele Menschen mitfühlen können.
Auf welche Ästhetik auf deinem Album dürfen wir uns am meisten freuen?
Was die Ästhetik angeht, kann ich es noch nicht genau sagen. Ich hatte von Anfang an eine bestimmte Vision, aber ich habe sie verworfen, weil ich wollte, dass es ein 3D-Artwork wird. Ich mag kontrastreiche Ästhetik sehr, und in diese Richtung geht es auf jeden Fall.
Wie wichtig ist es, sich politisch, insbesondere in der aktuellen Lage, als Künstler:in zu positionieren?
Sehr wichtig. Ich finde es entscheidend, sich gegen die AfD auszusprechen. Eine klare Position zu zeigen ist wichtig, damit Menschen, die sich deiner Community anschließen, wissen, dass sie sich dort wohlfühlen können. Ist die Person homophob? Ist die Person für KI? Selbst wenn du nicht viel Zeit in Social Media investierst, poste einfach etwas, das den Leuten zeigt, dass sie sich sicher fühlen können. Das ist mir wichtig.
Sei mal ehrlich, was macht dir mehr Spaß: Produzieren oder Schreiben?
Ich muss sagen, seit ich Musik auf Deutsch mache, macht mir das Schreiben viel mehr Spaß, weil es eine Herausforderung ist. Ich war vorher etwas gelangweilt vom ständigen Schreiben auf Englisch. Es ist einfach etwas Neues. Aber Produzieren macht genauso viel Spaß, weil ich alles, was ich mir vorstelle, direkt umsetzen kann. Ich würde sagen, beides macht mir gleich viel Spaß, also 50/50!
Wie kam es zu deiner musikalischen Ader?
Also, zunächst wurde ich gezwungen, ein Instrument zu lernen, weil meine Mutter in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen ist. Im Nachhinein bin ich dafür sehr dankbar. Zu der Zeit wollte ich jedoch nicht, dass sie meine Klavierlehrerin ist, und es funktionierte nicht. Dann habe ich Gitarre gelernt, und das war genau das Richtige für mich. Gesungen habe ich schon immer, so viel, dass meine Eltern sagten: „Hey, hör auf.“ Also bin ich in den Keller gegangen, um zu singen, damit ich niemanden störe. Ich singe einfach die ganze Zeit. Es ist wirklich so, dass man den Alltag als Künstler lebt.
Würdest du sagen, dass weibliche Künstlerinnen oft viel Gegenwind bekommen?
Ich muss sagen, wenn ich jetzt von anderen Produzentinnen lese, die zum Beispiel mit Quoten konfrontiert sind, wie zum Beispiel „Eine Frau kann doch nicht produzieren“, habe ich so etwas noch nicht erlebt. Das muss ich sagen. Ich muss auch sagen, dass ich noch nie erlebt habe, dass jemand gesagt hat: „Du bist ja eine Frau und solltest nicht auf die Bühne oder so.“ Aber man sieht es ja an den Ergebnissen, dass es ein Problem ist. Genau, also es ist da. Ich habe mir noch nie Gedanken gemacht, ob ich jetzt weniger Vorteile habe, weil ich eine Frau bin, aber man merkt , dass es einfach so ist. Und allein das zeigt ja schon, dass es eine männerdominierte Industrie ist.
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